Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Margot Käßmann
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Bildung und Kultur | 2010-02-24 00:59:50

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Margot Käßmann

Bielefeld (ots) - Margot Käßmann ist eine der mächtigsten Frauen
Deutschlands. Seit vier Monaten steht sie an der Spitze der
Evangelischen Kirche. In ihrem Amt repräsentiert sie 25 Millionen
Protestanten. Nachdem sie am Samstagabend betrunken am Steuer
erwischt wurde, diskutiert ganz Deutschland: Muss Margot Käßmann als
Vorsitzende der Evangelischen Kirche zurücktreten?
Antwort: Ja. Die Theologin sollte die Verantwortung ihrer
Trunkenheitsfahrt übernehmen und die Konsequenzen ziehen. Ihr
Fehlverhalten ist zu gravierend, ihr Image zu sehr beschädigt. Wer an
der Spitze der evangelischen Kirche in Deutschland steht, hat sich
darauf eingelassen, Vorbild zu sein. Und Vorbilder werden zu Recht
nicht nur an ihren Worten, sondern vor allem auch an ihren Taten
gemessen.
Zwar dürfen auch Vorbilder Fehler machen - das ist mehr als
menschlich - doch dieser Fehltritt wiegt schwerer und ist alles
andere als nur ein kleiner Patzer. Niemand ist perfekt und das sollte
auch von niemandem verlangt oder erwartet werden. Und dennoch muss
sich die Landesbischöfin an besonderen Maßstäben messen lassen. In
einem Interview mit dem TÜV-Nord 2007 hatte sie noch zu Recht
»mangelndes Verantwortungsbewusstsein« von Autofahrern kritisiert,
»insbesondere wenn Alkohol und Drogen mit im Spiel sind«. Nun hat
sich die Theologin selbst verantwortungslos verhalten. Sie hat nicht
nur sich, sondern auch Mitmenschen in Gefahr gebracht.
Ein Jahr ohne Führerschein und eine saftige Geldstrafe warten jetzt
auf Margot Käßmann. Doch weit gravierender ist ihr
Glaubwürdigkeitsverlust. Die Hannoveranerin ist eine Frau, die kein
Blatt vor den Mund nimmt. Die in Marburg geborene Theologin hat sich
einen Ruf als streitbare Mahnerin in brisanten sozial- und
gesellschaftspolitischen Fragen erworben. Aber wie will sie künftig
den schweren Spagat schaffen, einerseits ihrer großen
gesellschaftlichen Aufgabe in diesem hohen Amt gerecht zu werden und
andererseits immer wieder mit dem Makel, betrunken Auto gefahren zu
sein, in Verbindung gebracht zu werden?
»Sieben Wochen ohne« - mit diesem Motto bewirbt die evangelische
Kirche ihre alljährliche Fastenaktion. Ausgerechnet in der Fastenzeit
hat sich Margot Käßmann alles andere als in Enthaltsamkeit geübt.
Mehrfach hat sie betont, dass Alkohol für sie in der Fastenzeit tabu
sei.
Margot Käßmann selbst wird sich fragen müssen, ob sie derart belastet
noch die moralische Autorität und Glaubwürdigkeit hat, die sie
braucht, um ihr Amt auszufüllen. In dieser schwierigen Situation ist
der EKD-Ratsvorsitzenden zu wünschen, dass sie den Mut hat, die
richtige Entscheidung zu treffen. Margot Käßmann hat ihr Image
ramponiert und sich angreifbar gemacht. Sie kann die
Trunkenheitsfahrt nicht rückgängig machen, aber sie kann
Verantwortung übernehmen. Buße tun allein reicht nicht.  
 
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