WAZ: Rhein-Ruhr-Tourismus - Nicht träumen. Kommentar von Frank Preuß
Essen (ots) - Wer für das Revier wirbt, nennt Besucher gern
Touristen. Es klingt so schön nach Urlaub, nach Reiseführer, nach
Wunschziel. Man kann die Statistik aber so lange interpretieren wie
man will, eines lässt sich nicht leugnen: Etwa vier von fünf
Menschen, die das Ruhrgebiet ansteuern und dort übernachten, tun das,
weil es ums Geschäft geht. Wer's böser formulieren möchte, würde
sagen: weil sie müssen.
Sachlichkeit ist in dieser Betrachtung hilfreicher als Träumerei.
Essen, Duisburg, Bochum, Dortmund haben gemeinsam manches zu bieten.
Am Ende jedoch können sie mit Hamburg, München oder Berlin nicht
mithalten. Von Paris, Madrid, Florenz ganz zu schweigen. Stichwort:
Flair.
Das Kulturhauptstadtjahr bietet die Chance, zu punkten, das
Angebot zielgenau zu vermarkten, Boden gut zu machen. Die
Städteprospekte der Reiseveranstalter haben so viele Seiten fürs
Revier reserviert wie nie zuvor. Ob das funktioniert, wird man in
der Endabrechnung sehen. Zu glauben, es müsste ein Pilgerstrom von
historischen Ausmaßen einsetzen, wäre naiv. Das Ruhrgebiet wird sich
in Bayern, Thüringen oder Schleswig-Holstein noch lange mit einem
Image herumschlagen müssen, das es nicht mehr verdient hat. 2010 ist
ein Anfang, mehr nicht.
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