WAZ: Justiz in der Kritik - Verwahrtes Leben. Kommentar von Hayke Lanwert
Essen (ots) - Es gibt sie, diese Täter, bei denen sich
psychiatrische Gutachter ganz sicher sind. Bei denen sich nicht nur
die Öffentlichkeit wünscht, sie mögen nie wieder in Freiheit leben,
weil sie dann höchstwahrscheinlich rückfällig würden. Aber zunehmend
sitzen auch Menschen hinter Gittern, die nach verbüßter Strafe
eigentlich ein Recht auf ein normales Leben hätten. In Zeiten, in
denen man fast jedes missbrauchte und/oder getötete Kind beim Namen
kennt, seine Geschichte, sein Leiden, klaffen subjektiv empfundene
Kriminalität und objektive weit auseinander. Wir leben nicht in einer
immer gewalttätigeren Welt - zumindest nicht in Deutschland.
Einen Menschen sein Leben lang einzusperren, kann nur das
allerletzte Mittel sein. Kriminologen der Universität Bochum haben
2008 festgestellt, dass von 67 als "besonders gefährlich"
eingestuften Tätern, die aus rechtlichen Gründen dann doch nicht
sicherungsverwahrt wurden, lediglich drei in Freiheit wieder
gewalttätig wurden. Gutachter kennen ihre Grenzen nur all zu gut und
weisen auch darauf hin. Bleibt zu hoffen, dass die im
Bundesjustizministerium vorbereitete Reform nicht primär der
öffentlichen Sicherheitshysterie folgt, sondern den Menschenrechten.
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