"Für Marcel Reich-Ranicki" / Das Jüdische Museum Frankfurt gratuliert zum 90. Geburtstag
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Bildung und Kultur | 2010-05-27 00:46:53

"Für Marcel Reich-Ranicki" / Das Jüdische Museum Frankfurt gratuliert zum 90. Geburtstag

Frankfurt am Main (ots) - "Demokratie wird durch Kritik geradezu
definiert." Marcel Reich-Ranicki 1970

Marcel Reich-Ranickis Popularität reicht weit über die
Literaturszene hinaus - 98 Prozent der deutschen Bevölkerung kennen
seinen Namen. Ruhm und Erfolg erlangten ihren Höhepunkt, als 1999 die
Autobiographie "Mein Leben" erschien. Bei aller Anerkennung kursiert
jedoch weiterhin das Image vom Kritiker als "Verreißer". Die
Ausstellung würdigt Leben und Werk eines der bedeutendsten jüdischen
Intellektuellen der Nachkriegszeit und fragt nach dem Bild der Kritik
in der Öffentlichkeit, in der sie zu selten als demokratische Tugend
erscheint.

Im Juni 2010 wird der Literaturkritiker neunzig Jahre. Aus diesem
Anlass rollt das Jüdische Museum den roten Teppich aus. "Für Marcel
Reich-Ranicki" - die Widmungsformel ist Programm der Ausstellung.
Gezeigt werden Widmungsexemplare zeitgenössischer Autoren aus der
Privatbibliothek. Die Liste großer Namen reicht von Ingeborg Bachmann
über Heinrich Böll bis zu John Updike. Ihnen beigesellt sind
Schriftstellerporträts aus der Sammlung Reich-Ranicki, darunter
Arbeiten von Günter Grass und Horst Janssen - auch sie Geschenke in
freundschaftlicher Verbundenheit: "Für Marcel".

Trotz aller Anerkennung erscheint Marcel Reich-Ranicki immer
wieder als Literaturpapst und wütender "Verreißer". Bei aller
ironischen Distanz, die dieses Bild mit den Jahren auch erfahren hat,
bleibt jedoch ein generelles Misstrauen gegen Kritik spürbar. Seit
Goethes berühmter Zeile "Schlagt ihn tot, den Hund! Es ist ein
Rezensent" gilt Literaturkritik in Deutschland als unlauteres
Geschäft, dessen Vertretern es allein um Macht gehe. Es ist deshalb
nicht verwunderlich, wenn Reich-Ranicki seinen Gegnern entgegen hält:
"Sie wollen und können nicht begreifen, dass literarisches Leben ohne
Kritik ebenso undenkbar ist wie parlamentarisches Leben ohne
Opposition."

Weitere Schwerpunkte der Ausstellung bilden die Biographie
Reich-Ranickis sowie der Stellenwert des Judentums in seinem Leben.
Marcel Reich-Ranicki betont immer wieder, dass er sich weder als Pole
noch als Deutscher fühle, dafür aber als Jude, schon aus Trotz gegen
den Antisemitismus, jedoch als ein säkularer Jude, der nicht an Gott
glaubt und keine Synagoge besucht.

Pressevorbesichtigung: 27. Mai, 17 Uhr
Ausstellungseröffnung: 30. Mai, 17 Uhr
Laufzeit: 01.06.-05.09.2010
Ort: Museum Judengasse, Kurt-Schumacher-Str. 10, 60311 Frankfurt  
 
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