Neue OZ: Kommentar zu Ruhrtriennale
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Neue Osnabrücker Zeitung
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Bildung und Kultur | 2010-08-12 03:36:58

Neue OZ: Kommentar zu Ruhrtriennale

Osnabrück (ots) - Hinter dem Nebel des Islamismus

Der Topos von den Liebenden, die nicht zueinander kommen können,
beschäftigt die Dichter, seit es Dichtung gibt. Allein wir neigen
dazu, in den Errungenschaften unseres Kulturkreises das Maß der Dinge
zu sehen: Romeo und Julia gelten als das tragischste aller
Liebespaare; allenfalls Tristan und Isolde dürfen sich daran messen.

Nun präsentiert uns Willy Decker Vorfahren und öffnet uns die
Augen: Der persische Dichter Nizami macht Shakespeare und Gottfried
von Straßburg das Urheberrecht auf die schönsten Liebesgeschichten
der Welt streitig. Anscheinend kommt nicht nur das Licht aus dem
Orient, sondern auch das meisterlich in dichterische Form gegossene
große Gefühl.

Goethe hat den Reichtum der orientalischen Kultur erkannt, wollte
in späten Jahren noch Farsi lernen, um Nizami im Original lesen zu
können. Uns hingegen ist der Osten suspekt: Für uns verschwindet die
Vielfalt von Dichtung, Musik und Malerei im diffusen Nebel aus
Scharia und Islamismus. Höchste Zeit, dass sich dieser Nebel lichtet
- das Osnabrücker Morgenland Festival leistet da seit Jahren
wertvolle Arbeit, vermittelt, wie nun auch die Ruhrtriennale, einen
Eindruck von dem Reichtum, der aus dem Osten kommt.  
 
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